Joseph Freiherr von Eichendorff

Der Jäger Abschied

Wer hat dich, du schöner Wald aufgebaut so hoch da droben?
Wohl den Meister will ich loben, solang noch mein Stimm erschallt.
Lebe wohl, lebe wohl, du schöner Wald!

Tief die Welt verworren schallt, oben einsam Rehe grasen,
und wir ziehen fort und blasen, dass es tausendfach verhallt:
Lebe wohl, lebe wohl, du schöner Wald!

Banner, der so kühle wallt! Unter deinen grünen Wogen
hast du treu uns aufgezogen, frommer Sagen Aufenthalt!
Lebe wohl, lebe wohl, du schöner Wald!

Was wir still gelobt im Wald, wollens draußen ehrlich halten,
ewig bleiben treu die Alten: Deutsch Panier, das rauschend wallt,
lebe wohl! Schirm dich Gott, du schöner Wald!

Der frohe Wandersmann

Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
den schickt er in die weite Welt;
dem will er seine Wunder weisen
in Berg und Wald und Strom und Feld.

Die Trägen, die zu Hause liegen,
erquicket nicht das Morgenrot;
sie wissen nur von Kinderwiegen,
von Sorgen, Last und Not um Brot.

Die Bächlein von den Bergen springen,
die Lerchen schwirren hoch vor Lust,
was sollt ich nicht mit ihnen singen
aus voller Kehl und frischer Brust?

Den lieben Gott lass ich nur walten;
der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld
und Erd und Himmel will erhalten,
hat auch mein Sach aufs best bestellt!