Verschiedenes und Buntes aus alten und neuen Zeiten
Auf dem Weg zum Hinteren Gosausee
Karanger im Herbst 2005
Foto: Gerhard Egger
Es folgt: 1. Erzählung aus dem Buch
"Aus deutschen Bergen"
aus dem Jahre 1873 von
Karl Stieler und
vom Hallstättersee aus dem Buch
"Bayerisches Gebirge und Salzkammergut"
aus dem Jahr 1880
GOSAU
Dorfgemeinde und Hochtal in OÖ mit 1191 meist evangelischen Einwohner, die Viehzucht, Holzgewinnung und Erzeugung von Schleifsteinen betreiben. Das von den nordwestlichen Ausläufern der Dachsteingruppe (Donnerkogel 2052m) gegen Süden malerisch abgeschlossene Gosautalwird von dem gleichnamigen Bache durchströmt, welcher an der nordwestlichen Seite des Dachsteins entspringt und in dem romantischen obern Tal den kleinen hintern Gosausee (1156m ü. M., 29,5 Hektar), dann den größern vordern Gosausee (908m ü.M., 52,5 Hektar) speiset. An der Mündung des Baches in den Hallstätter See befindet sich die Gosaumühle mit Sägewerk. Kurz vor der Mündung, beim Gosauzwang, führt die Solenleitung über den Bach (43m hoch). Das Gosautal wird von einer Fahrstraße bis Hinter-Gosau (Gosau-Schmid) durchzogen und wegen seiner landschaftlichen Schönheit viel besucht. Westlich von Hinter-Gosau liegt die Zwieselalpe, 1584m, einer der schönsten Aussichtspunkte des Salzkammergutes.
Aus Meyers Konversationslexikon 1895
Unter Zwiesel fand ich nur die Glasstadt Zwiesel im bayrischen Wald die Bedeutung einer Astgabel = Zwiesel.
Gosau - See
Es ist eine Schmiede,
wo wir die erste Rast auf dem Wege halten der uns durchs Gosauthal an die Seen führt. Der Bach, der über kahles Gestein dahinrollt, murmelt seine wilden Weisen, die Fichten stehen einsam am Rande und über ihnen ragt das graue Felsgestein in unermeßliche Höhen. Groß und stille schaut uns die Landschaft an, eintönig erklingt die Melodie der Wogen, wir fühlen es, daß mir mitten drinnen sind in der Wildniß. Dann hören wir aus der Ferne den Schlag der Hämmer, und wenn wir näher treten, sehen wir rauchgeschwärzte Gestalten, die unter dem Thor der Esse schüren oder das zischende Eisen in der Gluth verkühlen. Aus dem Kamin sprühen Rauch und Funken, die Tannen reichen fast bis an die Schwelle des alten Hauses, und das alles stimmt so wunderbar zusammen mit dem einsam kühlen Grunde, daß es uns ist, als sei ein Märchen lebendig geworden, wie wir's aus Kindertagen noch im Herzen haben. Auch die kleine Stube mit ihrer hölzernen Wand und den braunen Gestalten, die hier am Tische kauern, ist ein altes urwüchsiges Bild der Berge. Da fallen jene kernig-rauhen Worte, die das Erbgut dieses Stammes sind; der Wald und die Jagd, der reißende Bach und die rauchenden Meiler, das ist der ganze Inhalt ihres kargen Lebens. Wir sitzen neben ihnen nieder und theilen mit ihnen den kühlen Trunk, bis der erste sich bedächtig von hinnen hebt und uns die Mahnung zum Aufbruch gibt. Er geht denselben Weg wie wir, mit der schweren Axt und dem hohen Bergstock beladen, und so folgen wir ihm gerne empor zu den Gosauseen. Der erste Augenblick, wo der vordere See mit einemmal vor uns steht, ist überwältigend. Er liegt nicht da, er steht vor unseren Augen, so thurmhoch sind die Felsenmauern aufgerichtet, es ist, als ob Leib und Seele gefangen wäre in dieser Sekunde. Und jene eisgekrönten Gipfel, die hier in den Himmel ragen, sie ragen ebenso weit hinab zur Tiefe, denn der See ist spiegelklar und jede Linie, die wir in der Luft verfolgt, kehrt im Abgrund der Gewässer wieder. Als Herrscher über diese Wildniß thront der Dachstein, fast die höchste Spitze unter den Kalkalpen. Wirr und finster liegt das Steingeröll um die tiefen Ufer, morsche Stämme und wucherndes Grün dazwischen, mit einsamen Waldblumen, die hier den kurzen Lenz verträumen. Und Träume sind's ja auch, in die das eigene Gemüth versinkt, wenn wir an diesen Ufern stehen, formlose und doch gewaltige Gedanken: wir sind ergriffen und finden dennoch weder Begriff noch Wort. Darin beruht das Rätselhafte, das uns beim Anblick des Kolossalen überkommt und das ein Grundton jener vielgestaltigen Erregung ist, die wir Bewunderung zu nennen pflegen.
Noch mächtiger,
aber weniger harmonisch ist der Eindruck des hinteren Gosausees; die Größe die uns hier vor Augen steht, ist die des Verfalls, die Landschaft zertrümmert sich in zyklopischen Blöcken. Unheimlich enge wird es um uns; das Becken des Sees ist nur ein schmaler abgrundtiefer Felsenkessel, auf dessen Fluth sich die Wände des Thorstein spiegeln, bleich im Sonnenlichte glänzend. Beinahe senkrecht stürzen die tausend Fuß hohen Wände ab, nur in einzelnen Ritzen grünt die Kiefer, aber die letzten Höhen haben selbst dieses Leben nimmer, hier wohnt allein der Schnee, der ewig ist.
Dennoch fehlen in den unteren Regionen des Dachstein nicht ganz die Spuren menschlichen Daseins. Hier finden sich Sennhütten und wenn wir nicht irrig berichtet sind, müssen es deren fast mehr als fünfzig sein; freilich einsamer und gefahrvoller als auf irgend einem andern Berge. Auch das Thierleben ist keineswegs spärlich und tritt in seinen wildesten Formen auf; Geier, die den Gemsen gewachsen sind, gehören nicht zu den Seltenheiten, und manche Heerde ist von ihnen gelichtet worden; auch ist noch kein Decennium (Jahrzehnt) vergangen, seit die letzten Bären dort sichtbar wurden. Aber nicht die Wildheit ist es, die ihren grauenvollen Zauber um jene Gipfel legt, es sind die unsichtbaren Gewalten, vor denen der Mensch in stummer Scheu sich flüchtet.
Sucht man nach Aehnlichkeiten (und alles Auffällige, Unvergleichliche lockt uns ja eben zum Vergleich), so ist es eigentlich nur der Eibsee, der ein ebenbürtiges Bild bietet und dennoch muß man dem Gosausee den Vorzug geben. Sein Anblick ist fester geschlossen und harmonischer in den Formen, die Farbe seiner Fluth hat manchmal etwas Mildes, das wir dort vermissen; und dazu kommt die mysteriöse Macht, die der Name des Dachstein besitzt. Seine Formation gehört unbedingt zu den interessantesten, welche die gesamten Zentralalpen aufweisen, denn noch in der Höhe von siebentausend Fuß finden wir felsige Ebenen, Hochplateaus mit abgespültem Gestein, das eine ganze Schöpfungsgeschichte erzählt. Der Knotenpunkt, den der Dachstein in dem Gefüge der Kalkalpen bildet, verzweigt sich in zahlreichen Armen, von welchen zwei das Gosauthal förmlich umklammern und ihm dadurch seine bestimmte Gestalt geben. Wunderbar und genug abentheuerlich wie die Formen sind auch die Namen, denen wir in dieser Region begegnen. Da ist der "Todte Knecht" und das "Fensterl", der "Hohe G'jaidstein" und der "Hohe Roms", nicht weit davon das "Däuml", das besonders von Hellstadt aus vorzüglich gesehen wird.
Die Besteigung
des Dachstein oder des Thorsteins gehört zu den schwierigsten, die unternommen werden können, da das endlose Gerölle und die häufigen Nebel auch den Gewandtesten ermatten. Allerlei Wunder begegnen auf diesem Wege dem Wanderer; wenn er zum Thorstein trachtet, führt ihn der Pfad an einem Felsengewölbe vorüber, das man die "Bärenlöcher" nennt; auf dem Wege nach dem Karls-Eisfeld aber liegt eine mächtige Wand, "Tropfwand" geheißen, und die zerklüftete Gegend ringsum führt den Namen: "Der Thiergarten". Ich sehe es im Geiste wie der Berliner lächelt. In den steinigen Höhlen, die man hier gewahrt, nistet nicht nur allerlei Wild, sondern auch die Sage, die von "Drachen und Lindwürmern zu erzählen weiß". Hier hatte ein Jäger (es ist allerdings schon lange her) eine Eidechse "geschossen", die fünf Fuß lang und von der Stärke eines dreijährigen Kindes war; sie kam ihm mit offenem Rachen entgegen und Einer (der natürlich schon todt ist) hat sogar die Knochen von ihr gesehen. Uns selbst ist leider kein ähnlicher Gast begegnet und der Leser, der etwa Lust hat den mühsamen Weg zu wagen, dürfte auch davor sicher bleiben. Es kann nicht jeder ein Ritter St.Georg werden - der auf den Dachstein steigt.
entnommen aus dem Original Buch "Aus deutschen Bergen"; ein Gedenkbuch vom Bayrischen Gebirge und Salzkammergut.
Seiner Majestät
König Ludwig II. von Bayern
dem deutschgesinnten Fürsten, dem hohen Schützer der Künste,
dem begeisterten Verehrer der Bergwelt.
Ehrfurchtsvollst gewidmet von Herman Schmid und Karl Stieler. Verlag A.Kröner; 1873
Am Hallstädtersee
Wohl der eigenartigste von all' den Seen des Salzkammerguts ist der von Hallstadt -- tiefdunkel und ernst, zwischen starre Felswände eingeschlossen, so daß das spärliche Uferland fast terrassenförmig überbaut ward. Man hat auf die Ähnlichkeit hingewiesen, die zwischen dem Hallstädter und Königssee besteht und im Allgemeinen mag dieser Vergleich auch etwas für sich haben, da beide Gewässer unter analogen elementaren Bedingungen entstanden sind; aber dennoch ist er weit eher berechtigt auf der Karte, als in der Natur, es gleicht sich mehr der Rahmen, als das Bild.
Die eigentlich letzte Individualität der beiden Seen ist wesentlich verschieden, denn auch die Gestaltungen der Natur, nicht nur die Menschen, haben eine solche Individualität. Jene großartige Vereinsamung des Königssees, die keinen Fußbreit Land dem Menschen gönnt, ist noch unendlich tiefer, als die spärliche aber betriebsame Versiedelung, die wir hier finden. Hallstadt ist immerhin ein Markt mit mehr als zweitausend Bewohnern; St.Bartholomä ist ein einsames Jagdschloß. Der Salzbetrieb und alles was kulturgeschichtlich damit zusammenhängt, hat einen leisen industriellen Zug in den Grundcharakter der Landschaft eingefügt, es treten historische Momente hinzu, es ist ein Bild mit belebter Staffage -- und überall spüren wir neben dem, was die gewaltige Hand der Natur geschaffen, die kleine emsige Menschenhand.
All' das fällt weg beim Königssee, er ist unbewohnt und unbewohnbar und wo keine Menschen sind, ist kein Geschehniß, seine ganze Geschichte ist -- Naturgeschichte. Er ist das wilde ungezähmte Naturkind geblieben, das wohl Tausende von Fremden neugierig anschauen, aber nicht Tausende von Bewohnern (wie dort) sich heimisch und vertraut gemacht. Schön freilich sind sie beide in zauberhafter Weise, eigentlich zu schön als daß man sie vergleichen sollte -- aber es sind verschiedene Individualitäten.
Der Ort, dem der Hallstädter See sein eigentlichstes Gepräge gibt, ist derselbe, der ihm auch den Namen gab.
Es ist
Hallstadt,
am Fuße des Salzberges gelegen, an den die Häuser nestartig sich anschmiegen, während die Flut fast ihren Fuß bespült. Nicht nebeneinander, sondern übereinander scheinen sie erbaut, es gibt keine Straßen, sondern nur steile Gangsteige hier, kein Wagen rollt mit lautem Hufgedröhn, sondern nur das Schiff landet aus den rauschenden Wellen. Zwei Kirchen überragen mit ihren Thürmen das dichtgedrängte Gemäuer; die ältere derselben (die den Katholiken Gehört) reicht bis ins Jahr 1320 zurück und zeigt noch manche Bestandteile alter Zeit in Schnitzwerk und Altären. Die Kirchfahrt auf dem Hallstädtersee an einem duftig blauen Sonntagsmorgen, wenn hunderte von kleinen Kähnen über die Flut hingleiten und das Glockengeläut zwischen den Felsenwänden verhallt - das ist ebenso ein tief poetisches, wie charakteristisches Merkmal dieser Gegend.